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Ratgeber · 03.09.2026

Silberfische oder Papierfischchen? Erkennen und loswerden

Silberfischchen zeigen Feuchtigkeit an, Papierfischchen kommen mit dem Paket: Unterschied, Ursachen, Behandlung — und warum im Mehrfamilienhaus das ganze Haus zählt.

Ein flinkes, silbriges Tier, das nachts über die Badfliesen huscht, kennt fast jeder. Weniger bekannt ist, dass es seit einigen Jahren einen zweiten Mitbewohner gibt, der ähnlich aussieht, aber ganz anders lebt: das Papierfischchen. Beide werden im Alltag „Silberfische" genannt, und genau diese Verwechslung kostet Betroffene oft Monate. Denn Silberfischchen sind ein Feuchtigkeitsproblem, Papierfischchen ein Einschleppungsproblem. Wer das eine wie das andere behandelt, behandelt an der Ursache vorbei. Dieser Beitrag erklärt, woran Sie die Art erkennen, woher die Tiere kommen, was Sie selbst tun können, wie wir behandeln, und er sagt ehrlich, was ein Fachbetrieb hier leisten kann und was nicht.

Silberfischchen oder Papierfischchen? So erkennen Sie den Unterschied

Beide gehören zu den Fischchen, einer sehr alten Insektengruppe ohne Flügel. Beide sind nachtaktiv, lichtscheu und schnell. Wer eines am Tag sieht, hat in der Regel schon viele. Die Unterschiede sind mit bloßem Auge erkennbar, wenn man weiß, worauf man achtet:

MerkmalSilber­fischchenPapier­fischchen
Größe7 bis 11 mm11 bis 15 mm, mit Anhängen fast doppelt so lang
Farbemetallisch silbern, glänzendmatt grau bis graubraun
Schwanz­fädendeutlich kürzer als der Körperfast körper­lang, ebenso die Fühler
FundortBad, Küche, Wasch­kellerganze Wohnung: Regal, Akten, Schlaf­zimmer
Luft­feuchteüber 75 %, ideal 80 bis 90 %rund 50 % genügen
Lebens­dauer2 bis 5 Jahrebis 8 Jahre, Ent­wicklung 1,5 bis 3 Jahre
UrsacheFeuchtig­keit: Wasser­schaden, Bau­feuchteEin­schleppung: Kartons, Umzug, Nachbarn

Das Silberfischchen trägt den wissenschaftlichen Namen Lepisma saccharinum, das Papierfischchen Ctenolepisma longicaudatum. Das sicherste Merkmal sind die Schwanzfäden: Sind sie fast so lang wie das Tier selbst, ist es ein Papierfischchen. Und die lange Entwicklungszeit erklärt, warum ein Befall lange unauffällig bleibt und dann plötzlich „überall" ist.

Wenn Sie unsicher sind: Ein scharfes Foto von oben, am besten mit einer Münze als Größenvergleich, reicht uns fast immer zur Bestimmung. Dazu genügt eine WhatsApp-Nachricht.

Warum die Unterscheidung so wichtig ist

Ein Silberfischchen im Bad ist zunächst kein Schädlingsproblem, sondern ein Messinstrument. Es zeigt Ihnen, dass dort dauerhaft zu viel Feuchtigkeit ist, und zwar nicht die halbe Stunde nach dem Duschen, sondern rund um die Uhr. Wer die Feuchtigkeit abstellt, wird die Tiere in vielen Fällen ohne Mittel los. Wer sie nicht abstellt, bekämpft sie bis in alle Ewigkeit, weil jede Behandlung nur die Symptome erreicht.

Beim Papierfischchen gilt das Gegenteil. Es ist nicht wegen der Feuchtigkeit da, sondern weil es eingeschleppt wurde, und es bleibt, weil es in einer normal beheizten, gut gedämmten Wohnung alles findet, was es braucht: konstante Temperatur, Papier, Kleister, Kartonagen, Staub. Lüften und Trocknen helfen hier nicht. Das Papierfischchen ist deshalb die deutlich hartnäckigere Art, und es ist die, die sich seit gut fünfzehn Jahren in Deutschland ausbreitet.

Woher die Tiere kommen: die vier typischen Wege

1. Der Wasserschaden

Der Klassiker beim Silberfischchen. Ein tropfendes Rohr in der Vorwand, eine undichte Silikonfuge an der Dusche, ein Rohrbruch, der zwar repariert, aber nicht ausreichend getrocknet wurde. Die Feuchtigkeit sitzt dann im Estrich, in der Dämmung, hinter der Fliese, und genau dort, unsichtbar und dauerhaft warm, entsteht die Kolonie. Oft tauchen die Tiere erst Wochen oder Monate nach dem eigentlichen Schaden auf, wenn niemand mehr an ihn denkt. Deshalb ist unsere erste Frage bei Silberfischchen immer: Gab es in den letzten zwei Jahren einen Wasserschaden, eine Sanierung, eine Undichtigkeit? Sehr häufig lautet die Antwort ja.

2. Der Neubau

Wenig bekannt, aber aus unserer Praxis gut belegt: Auch in einem nagelneuen Haus können Silberfischchen auftreten. Beton, Estrich, Putz und Gipsplatten bringen beim Bau eine enorme Menge Wasser ins Gebäude, und diese Baufeuchte braucht Jahre, nicht Monate, bis sie vollständig heraus ist. In dieser Zeit herrscht in Wandaufbauten, unter Estrichen und hinter Vorwandinstallationen genau das Klima, das die Tiere brauchen. Die Eier oder ersten Tiere kommen dabei nicht selten schon mit den Baustoffen und Verpackungen auf die Baustelle. Ein Befall, der in einem Neubau nach etwa zwei Jahren auffällt, ist in unserer Erfahrung keine Seltenheit, und die Bewohner sind jedes Mal überrascht, weil sie „doch alles neu" haben.

3. Das Paket

Der wichtigste Weg beim Papierfischchen. Die Art wurde in Deutschland erstmals 2007 in Hamburg nachgewiesen und hat sich seitdem über das ganze Land verbreitet, und zwar passiv, mit der Ware. Kartonagen sind für Papierfischchen zugleich Nahrung, Versteck und Kinderstube. In großen Zentrallagern und Umschlaghallen, wo Kartons monatelang bei konstanter Temperatur stehen, finden sie ideale Bedingungen, und von dort reisen sie in Verpackungen bis in Ihr Wohnzimmer. Mit dem Wachstum des Versandhandels ist dieser Weg zur Hauptursache geworden. Auch Umzugskartons, gebrauchte Möbel, Altpapierstapel und Bücher vom Flohmarkt gehören dazu.

4. Die Nachbarwohnung

Fischchen wandern. Über Kabelschächte, Rohrdurchführungen, Ritzen in Geschossdecken und entlang der Sockelleisten verteilen sie sich in einem Mehrfamilienhaus von Wohnung zu Wohnung. Das ist der Grund, warum eine Einzelbehandlung in einem Haus mit mehreren Parteien so oft enttäuscht: Die behandelte Wohnung wird aus dem Treppenhaus oder von oben und unten wieder besiedelt.

Sind Silberfischchen und Papierfischchen gefährlich?

Für die Gesundheit nicht. Fischchen beißen und stechen nicht und übertragen nach heutigem Wissen keine Krankheiten. Der Schaden ist ein anderer: Papierfischchen fressen an allem, was Stärke oder Zellulose enthält, also Papier, Buchrücken, Fotos, Tapeten und Tapetenkleister, Kartonagen, Baumwolle, Leinen, und sie hinterlassen dabei Fraßlöcher, abgeschabte Oberflächen und schwarze Kotkrümel. Für Archive, Kanzleien, Bibliotheken und Sammlungen ist das ein ernstes Thema. Und ein Silberfischchen-Befall ist immer ein Hinweis darauf, dass es irgendwo im Gebäude dauerhaft zu feucht ist. Dort, wo Fischchen leben, wächst häufig auch Schimmel. Das Tier ist harmlos, die Ursache nicht.

Was Sie selbst tun können, und was Sie sich sparen können

  • Messen statt raten: Ein Hygrometer für wenige Euro zeigt Ihnen, ob Ihr Bad dauerhaft über 70 Prozent Luftfeuchte liegt. Wenn ja, ist das die Baustelle, nicht das Tier.
  • Feuchtigkeit senken: Nach dem Duschen stoßlüften, Silikonfugen und Rohranschlüsse prüfen, nasse Handtücher nicht im Bad lagern. Gegen Silberfischchen wirkt das, gegen Papierfischchen leider nicht.
  • Kartons sofort raus: Versandkartons nicht im Keller oder Abstellraum sammeln, sondern noch am selben Tag ins Altpapier. Umzugskartons nach dem Umzug entsorgen, nicht „für später" aufheben.
  • Papier geschlossen lagern: Akten, Fotos und Bücher, die Ihnen wichtig sind, gehören in geschlossene Kunststoffboxen, nicht in offene Kartons.
  • Klebefallen zur Kontrolle: Sinnvoll, um herauszufinden, wo und wie viele Tiere unterwegs sind. Als Bekämpfung reichen sie nicht, sie fangen nur, was zufällig darüber läuft.
  • Hausmittel: Lavendel, Zitrone, Backpulver und Zuckerfallen kursieren in jedem Forum. Einen belegten Effekt auf einen bestehenden Befall haben sie nicht. Sie kosten wenig, bringen aber vor allem Zeit, in der die Population wächst.
  • Baumarkt-Sprays: Erreichen die Tiere, die gerade sichtbar sind, nicht die Eier in den Ritzen. Bei Papierfischchen mit ihrer langen Entwicklungszeit ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, und die Wirkstoffe belasten die Raumluft, in der Sie schlafen.

Wie wir behandeln: mit Ködergel, nicht mit Sprühnebel

Gegen Silberfischchen und Papierfischchen arbeiten wir mit einem Ködergel, das für beide Arten ausdrücklich zugelassen ist. Das hat für Sie zwei praktische Folgen: Sie müssen die Wohnung nicht verlassen, und es entsteht kein Sprühnebel. Das Gel wird in kleinen Tupfern an den Laufwegen gesetzt, an Sockelleisten, in Fugen, hinter Möbeln, in Ritzen, außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren. Nach ein bis zwei Wochen kontrollieren wir, wie viel Köder angenommen wurde, legen nach oder setzen um. Weil Fischchen langsamer an den Köder gehen als Schaben und ihre Eier über einen langen Zeitraum verteilt schlüpfen, sind mehrere Runden normal. Die Zulassung sieht für Fischchen im Innenraum bis zu elf Anwendungen im Jahr vor, und das ist kein Schreckenswert, sondern eine ehrliche Auskunft: Ein einziger Termin reicht hier selten. Was genau am Termin passiert und was Sie vorbereiten sollten, steht auf unserer Seite zur Ködergel-Behandlung bei Silberfischen und Papierfischchen. Die üblichen Preisspannen finden Sie offen auf der Kostenseite, der Festpreis steht vor Beginn fest.

Genauso wichtig wie das Mittel ist die Ursache. Bei Silberfischchen suchen wir die Feuchtigkeitsquelle mit, denn ohne sie zu beseitigen, ist jede Behandlung nur eine Pause. Bei Papierfischchen benennen wir schriftlich, welche Wege und Lagerplätze geschlossen werden sollten, damit der Befall nicht von außen nachgefüttert wird.

Die ehrliche Antwort: Werden Sie die Tiere für immer los?

Bei Silberfischchen: ja, wenn die Feuchtigkeit weg ist. Ist ein Wasserschaden vollständig getrocknet, die Fuge dicht und das Bad regelmäßig gelüftet, bleibt nach der Behandlung dauerhaft Ruhe. Bleibt die Ursache, kommen die Tiere wieder, egal wer behandelt hat.

Bei Papierfischchen müssen wir ehrlicher sein, als es Ihnen mancher Anbieter sagt: Einen etablierten Befall wird man selten für immer los. Die Tiere leben lange, entwickeln sich langsam, brauchen keine Feuchtigkeit, sitzen tief in Wandaufbauten und Hohlräumen und werden mit jedem Paket potenziell neu eingetragen. Das realistische Ziel ist, den Befall so weit zu drücken, dass Sie keine Tiere mehr sehen und nichts mehr beschädigt wird, und ihn dann mit den richtigen Gewohnheiten unten zu halten. In einem Mehrfamilienhaus kommt noch etwas dazu: Wenn mehrere Parteien betroffen sind, und das ist bei Papierfischchen fast immer so, muss das Gebäude als Ganzes behandelt werden. Eine einzelne Wohnung zu behandeln, während zwei Etagen weiter die Quelle sitzt, ist Geld, das Sie besser nicht ausgeben. Sprechen Sie deshalb frühzeitig mit Ihrer Hausverwaltung oder Ihrem Vermieter. Liegt die Ursache im Gebäude, etwa Baufeuchte oder ein Wasserschaden, ist die Beseitigung in der Regel Sache des Eigentümers, nicht des Mieters.

Für Hausverwaltungen, Kanzleien, Archive und Betriebe

Bei gewerblichen Objekten ist der Ablauf derselbe, der Rahmen ein anderer: Wir begehen das gesamte Gebäude, dokumentieren die Fundorte je Einheit, behandeln koordiniert in einem Zeitfenster und liefern eine Dokumentation, mit der Sie gegenüber Mietern, Versicherung und Eigentümern nachweisen können, was wann gemacht wurde. Für Hausverwaltungen übernehmen wir auf Wunsch die Abstimmung mit den Parteien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Silberfischchen glänzen silbern, brauchen über 75 Prozent Luftfeuchte und zeigen ein Feuchtigkeitsproblem an, oft nach Wasserschaden oder in Neubauten mit Baufeuchte.
  • Papierfischchen sind größer, matt grau, mit sehr langen Schwanzfäden, kommen mit normaler Raumluft aus und werden vor allem mit Kartons aus dem Versandhandel eingeschleppt.
  • Hausmittel und Sprays erreichen die Eier nicht. Wir behandeln mit zugelassenem Ködergel in mehreren Runden, ohne dass Sie die Wohnung verlassen müssen.
  • Silberfischchen werden Sie dauerhaft los, wenn die Feuchtigkeit weg ist. Papierfischchen lassen sich unter die Sichtgrenze drücken, aber selten für immer beseitigen.
  • Im Mehrfamilienhaus gehört das ganze Gebäude behandelt, nicht die einzelne Wohnung.

Wir sind im Ruhrgebiet, im Rheinland und am Niederrhein unterwegs, von Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, Essen und Duisburg über Düsseldorf und Neuss bis Dorsten und Geldern. Welche Städte und Kreise wir anfahren, steht auf unserer Standortseite. Wenn Sie in unserer Gegend wohnen: Schicken Sie ein Foto per WhatsApp oder rufen Sie an. Wir sagen Ihnen, welche Art es ist, ob eine Behandlung sinnvoll ist, und auch, wenn erst einmal nur ein Hygrometer und ein Fensterheber nötig sind.

Stand: September 2026. Die biologischen Angaben zu Größe, Luftfeuchte und Lebensdauer beruhen auf den Steckbriefen des Instituts für Schädlingskunde und des Umweltbundesamts, die Angaben zu Neubau, Wasserschaden und Mehrfamilienhäusern auf unserer Einsatzpraxis.

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